Fotos: Stadt Weimar/Jan Holubek

Im Rahmen des Formats „Salon“ war am Mittwoch, den 20. Mai 2026 Malte Looff zu Gast im Deutschen Nationaltheater Weimar. Looff ist Partner bei Studio Qwertz und leitet das Generalplanerteam, das seit Anfang des Jahres die Planung für die Generalsanierung des Haupthauses am Theaterplatz bearbeitet. Im Gespräch mit Katja Fischer von der Stiftung Baukultur Thüringen ging es um die Haltung des Planungsteams, um öffentliches Bauen, Nachhaltigkeit und die besondere Aufgabe, ein Haus mit großer Theater- und Demokratiegeschichte in die Zukunft weiterzubauen.

Baukultur und Verantwortung

Katja Fischer eröffnete den Abend mit der Frage, was nachhaltiges Planen und Bauen heute eigentlich bedeutet. Gerade öffentliche Gebäude stünden vor Aufgaben, für die es keine einfachen Blaupausen gebe: Klimaschutz, gesellschaftliche Öffnung, gute Prozesse, Ressourcenbewusstsein und die Verantwortung, mit öffentlichem Geld nachvollziehbar umzugehen. Öffentliches Bauen könne hier Vorbild sein, wenn es seine Schritte erklärt, im Dialog bleibt und aus seinen Projekten lernt.

Karen Büchner, Leiterin der Stabsstelle Generalsanierung DNT der Stadt Weimar, knüpfte daran aus Sicht der Bauherrin an. Sie rückte vor allem die lange Vorbereitungs- und Planungsarbeit in den Blick, die einem solchen Projekt vorausgeht. „Wenn man über eine Generalsanierung spricht, haben die meisten das Bauen selber im Kopf, und gar nicht die vielen Jahre Planung und Vorbereitung davor“, sagte Büchner. Doch mit jeder Investition in ein öffentliches Gebäude gehe es nicht nur um „Stein auf Stein“, sondern zugleich um Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Mittelstandsförderung und Rechenschaft gegenüber Fördermittelgebern, Stadtrat und Öffentlichkeit. Diese Breite macht die Generalsanierung zu einem komplexen Bauprojekt, aber eben auch zu einer bau- und kulturpolitischen Aufgabe, deren detaillierte Planung vorab unabdingbar ist.

Malte Looff beschrieb Nachhaltigkeit nicht als festen Katalog, sondern als lernenden Prozess. Aus anderen Kulturbauten und Museumsprojekten berichtete er, wie technische Standards immer wieder hinterfragt werden müssen: Welche Anlagen sind wirklich notwendig? Wie lassen sich Energieverbrauch und Betriebskosten senken? Was kann man aus einem Projekt für das nächste lernen? Entscheidend sei, Ressourcen zu schonen, klug mit dem Bestand umzugehen und gemeinsam mit mutigen Bauherrinnen und Bauherren neue Lösungen zu erproben.

Arbeiten im Bestand

Für das DNT bedeute das vor allem: „mit dem Gebäude arbeiten, nicht gegen das Gebäude oder gegen die Struktur“, so Looff. Studio Qwertz verstehe die Sanierung nicht als große Geste, die den Bestand überformt, sondern als Weiterbauen an vorhandenen Zeitschichten. Das Haus habe sich über Jahrzehnte verändert, sei ergänzt, umgebaut und neu bewertet worden. „Man kann ganz viel erreichen, indem man Gebäude moderat erneuert“, sagte Looff. Der Entwurf des Generalplanerteams setzt daran an: Er soll die Qualitäten des Bestands herausarbeiten, notwendige Ergänzungen sichtbar machen und zugleich die Arbeitsabläufe, Wege, Bühnen-, Proben- und Publikumsbereiche verbessern.

Looff machte deutlich, dass Architektur dabei nicht nur in großen Bildern entsteht. Sie entscheidet sich auch in Oberflächen, Orientierung, Atmosphäre, Sitzkomfort, Sichtbeziehungen und in der Frage, ob ein Gebäude selbstverständlich nutzbar ist. Ziel sei ein Haus, das für Theaterbetrieb und Publikum besser funktioniert und dennoch seine Eigenart behält. Eine Besucherin brachte diesen Anspruch später auf den Punkt: Für sie wäre die Sanierung erfolgreich, wenn die „Seele“ des DNT erhalten bleibt.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle des Generalplaners. Studio Qwertz bringt ein eingespieltes Team aus Architektur, Tragwerksplanung, Technischer Gebäudeausrüstung, Brandschutz, Bauphysik und weiteren Fachplanungen mit. Looff beschrieb die Arbeit als Ping-Pong-Prozess: Vorschläge werden entwickelt, geprüft, plausibilisiert und mit Stadt, DNT und Fachplanungen rückgekoppelt. Der Wettbewerbsentwurf ist damit kein fertiges Bild, sondern Grundlage für eine Planung, die nun weiter konkretisiert und angepasst wird.

Dialog und Ausblick

Im späteren Verlauf des Abends stieß Intendant Valentin Schwarz zur Diskussion hinzu und sprach über die Herausforderungen des Theaterbetriebs während der späteren Sanierungsphase und im Interim. Er machte deutlich, dass die Redoute dafür zwar eine wichtige Grundlage bietet, das Haupthaus aber kapazitiv nicht ersetzen kann. Gerade deshalb, so Schwarz, werde das DNT künftig noch stärker weitere Orte und Kooperationen in Weimar in den Blick nehmen und mit dem Theater bewusst stärker in den städtischen Raum gehen. Der Abend zeigte zugleich, wie groß das Interesse an der Generalsanierung ist. In der Diskussion wurden Fragen nach Zeitplan, Kosten, Denkmalschutz, Zuschauerraum, Bestuhlung und späterem Spielbetrieb während der Bauphase gestellt. Für Stadt und DNT war das ein wichtiger Hinweis: Viele Informationen sind seit längerem verfügbar, müssen aber offenbar noch stärker wiederholt, gebündelt und über unterschiedliche Kanäle vermittelt werden. An solchen Formaten wird bereits gearbeitet.

Der DNT-Salon war damit ein gelungener Gesprächsabend und zugleich ein weiterer Schritt im Dialog über eines der größten Kultur- und Bauprojekte Weimars. Weitere Gesprächs- und Informationsformate folgen.